Länder und Regionen

Weinland Spanien

Obwohl in Spanien 1,2 Millionen Hektar unter Reben stehen und es damit der Fläche nach das größte Weinanbauland der Welt ist, belegt Spanien hinsichtlich der erzeugten Menge nur den vierten Platz.

In erster Linie ist der Grund der äußerst geringe Ertrag, nämlich nur magere 23 Hektoliter pro Hektar. Als Vergleich mag Deutschland dienen, wo ein Ertrag von 80 - 100 Hektoliter pro Hektar nicht weiter ungewöhnlich ist. Selbst in Frankreich ist der durchschnittliche Ertrag immer noch doppelt so hoch wie in Spanien.

Die Ursache liegt in erster Linie am meistens sehr trockenen Klima und an zum Teil veralteten Reberziehungen, wo die Stöcke aufgrund großer zur Verfügung stehender Landflächen weit auseinander gepflanzt wurden. Dies kann durchaus positiv für die Qualität des erzeugten Weines sein, denn so können die Rebstöcke in die wenigen Trauben die ganze Kraft bringen.

Spanien hat viele Jahrhunderte in einem Dornröschenschlaf bezüglich des Weinbaus gelegen. Die ersten wichtigen Impulse bekam das Land durch französische Winzer aus dem Bordeaux. Diese flüchteten vor der Reblausplage in Frankreich und fanden in der Rioja ähnliche Bedingungen wie in der Heimat vor. Dadurch blühte der Weinanbau und Handel in dieser Region auf und bis heute ist dieses Gebiet die bekannteste und bedeutendste Weinregion in Spanien. Die während des Franco- Regimes erzwungene Isolation von allen anderen Märkten hatte zur Folge, dass es keinen ausländischen Wettbewerb für den spanischen Inlandsmarkt gab. So unterblieben die Anstrengungen für gehobene Qualitäten und es gab zum allergrößten Teil nur einfache, sehr rustikale und alkoholstarke Weine. Auch hier hielt im wesentlichen nur die Rioja die Fahne der Qualität halbwegs hoch. Die 1975 nach dem Ende der Diktatur begonnenen Anstrengungen fanden durch den EU-Beitritt und die damit verbundenen Investitionen und Zuschüsse gewaltigen Auftrieb. Investitionen im Weinanbau und Ausbau tragen nicht unmittelbar Früchte, da es Jahre dauert, bis neue Rebanlagen qualitativ hochwertige Trauben erzeugen.

Wirkliche massive Fortschritte sind daher erst in den letzten 5-10 Jahren zu erkennen. Diese sind allerdings enorm und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Die ganze Weinindustrie in Spanien erlebt einen gewaltigen Aufschwung und man kann den großen Willen zur Qualitätserzeugung in vielen Bereichen nicht zu sehen, sondern noch viel besser schmecken. In den letzten 20 Jahren sind hier mehr Erfolge erzielt worden als in mehreren Jahrhunderten zuvor und Spanien gilt mittlerweile als das wohl interessanteste Weinland in Europa. Nur das Languedoc in Frankreich befindet sich derzeit in einer ähnlichen Aufbruchstimmung.

Das spanische Weingesetz: Ein kurzer Abriß:

Weinkategorien

Das Land ist derzeit in ca. 50 verschiedene Weinanbaugebiete aufgeteilt. Erzeuger, die in diesen Gebieten ihre Weine erzeugen, sind besonders strengen Kontrollen und Vorgaben unterworfen. Diese betreffen die zugelassenen Rebsorten, den Rebschnitt und die Reberziehung, den maximal zulässigen Ertrag, den Aus- bau der Weine, den Mindestalkoholgehalt und vieles mehr. Dies hat zur Folge, dass der Verbraucher von Weinen, die das Siegel dieser Gebiete tragen, besonders gute Qualität erwarten darf. Das hat selbstverständlich auch Einfluß auf die Preise, weshalb die allermeisten Weingüter bemüht sind, Weine in einem der sogenannten Denominación de origen zu erzeugen. Darüber hinaus gibt es noch eine Art Super-DO, nämlich die Denominación de origen calificada. Hier sind die Bestimmungen noch einmal deutlich strenger als in der "einfachen" DO. Bisher wurde nur die Rioja in diese Kategorie aufgenommen. Darunter finden sich die Vino de la tierra. Diese Kategorie entspricht im großen und ganzen dem französischen Vin de pays. Mit dem Zusatz einer bestimmten geographischen Angabe (eines Orts oder einer Gemeinde) kann er, entsprechende Qualität vorausgesetzt, über mehrere Stufen hochgesetzt werden. Hier finden sich auch Weine, die hohen Ansprüchen genügen. Diese Winzer möchten sich lediglich nicht von Vorschriften einengen lassen und den Wein genauso ausbauen, wie er ihren Vorstellungen entspricht. Entsprechende Kenntniss vorausgesetzt, lassen sich in dieser Kategorie durchaus gute Weine entdecken, wie übrigens auch in Frankreich bei den Vin de pays, von denen einige es zu internationaler Berühmtheit gebracht haben. Die unterste Stufe in Spanien stellen die Vino de mesa dar, Weine ohne Jahrgangs- und Herkunftsangabe.

Ausbaustufen

Während in Deutschland die augenscheinlichste Qualitätstufe die Einstufung nach Öchslegrad ist und in Frankreich der bedeutendste Qualitätsfaktor die Angabe der Weinregion ist (je exakter die Eingrenzung, desto höher ist der Wein einzustufen), wird in Spanien nach der Ausbaustufe unterschieden, die im wesentlichen im ganzen Land identisch ist.

In Spanien gelangen im krassen Gegensatz zu Frankreich meistens nur trinkreife Weine in den Verkauf. Daher wird im Land auch viel Wert auf die Kenntniss der Länge und Art des Ausbaus gelegt. Es gibt im einzelnen folgende Kategorien:

Joven Junger Wein, der maximal im Tank ausgebaut wurde jedoch nicht im kleinen Eichenholzfaß (Barrique). Diese Weine sind zum baldigen Genuß innerhalb 1-3 Jahren bestimmt
Semi-Crianza Eine inoffizielle Einstufung, die nicht auf dem Etikett erscheinen darf. Hier sind Weine gemeint, die unter der minimal zulässigen Verweildauer im Barrique gelagert wurden. Hier finden sich viele sehr gute Weine mit sehr guten Preis/Leistungsverhältniss wieder. Es ist jedoch viel Kenntniss über den Erzeuger notwendig, weil die Angaben ja nicht auf dem Etikett erscheinen.
Crianza Diese Weine müssen mindestens zwei Jahre gelagert sein, davon mindestens sechs Monate im Barrique.
Reserva Hier gilt ein Zeitraum von mindestens drei Jahren, davon mindestens ein Jahr im Eichenholzfaß
Gran Reserva Mindestens zwei Jahre Ausbau im Eichenholzfaß und drei weitere Jahre auf der Flasche

Einige Regionen, wie die Rioja, variieren die Länge der Ausbauzeiten. Die angegebenen Zeiträume sind Mindestanforderungen, die von einer Reihe von Weingütern deutlich verlängert werden. Jeder Erzeuger pflegt einen eigenen Stil, der auch durch die Länge des Faßausbaus erheblich differiert. Es gilt jedoch beim Einsatz der Barriques, auf das Gleichgewicht zwischen Ausbaulänge und Kraft des Weines zu achten. Zuviel schadet dem Wein mehr als zuwenig, weshalb in jüngster Zeit viele Bodegas auf kürzere Ausbau- zeiten achten. Die Handhabung von Barriques ist insgesamt sehr subtil und erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl und ist im übrigen auch kostspielig, da ein gutes Barrique (225 ltr.) bis ca. 1100 DM kostet und nur wenige Male einsetzbar ist, bevor es ausgelaugt ist.

Weinregionen

Hier werden nur die besprochen, die in der Vinothek zum Verkauf angeboten werden um den Rahmen nicht zu sprengen:

La Mancha

Anbaufläche: 157.600 Hektar
zugelassene rote Rebsorten: Cencibel, Garnacha, Moravia, Cabernet-Sauvignon, Merlot
zugelassen weisse Rebsorten: Airén, Pardilla, Macabeo
maximal zulässiger Ertrag: ca. 50 Hektoliter/Hektar bei roten und ca. 60 Hektoliter für die weissen Sorten

Die La Mancha ist das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet der ganzen Welt. Die hier am meisten hier angebaute Rebsorte ist die weisse Airén. Obwohl diese Sorte fast nur hier zum Einsatz kommt, ist die Airén damit kurioserweise die am meisten angebaute weisse Rebsorte der Welt! Damit deutet sich auch schon das strukturelle Problem dieser riesigen Region an, denn auf Qualität wurde bisher kaum Wert gelegt. Viel Wein wurde zu Industriealkohol und zum Aufspriten von Sherry-ähnlichen Produkten verwendet und solange es immer noch Zuschüsse zum Destillieren von Weintrauben gibt, wird sich das Problem kaum von der Wurzel aus bekämpfen lassen. Hier wird ein Meer von Billigst-Weinen erzeugt, die oft nur einfachsten Ansprüchen genügen.

Die La Mancha ist eine riesige Hochebene ohne größere Erhebungen auf ca. 800 mtr. Höhe in Zentralspanien gelegen. Im Sommer glühend heiß bis weit über 40 Grad kann das Thermometer im Winter auf unter Minus 20 Grad Celsius fallen und nicht umsonst heißt ein Ausspruch der Winzer zum Klima: Wir haben hier drei Monate Winter und 9 Monate die Hölle! Dies bezieht sich auch auf die unablässigen Winde, die über die Hochebene ziehen.

In den letzten Jahren erkennen jedoch mehr und mehr, vorwiegend kleinere Erzeuger, das die Zukunft nur in der Erzeugung von Qualitätsweinen bestehen kann. Man besinnt sich auf hochwertige Sorten, wie die Cencibel, das Synonym für die Tempranillo, Cabernet Sauvignon oder die Macabeo und Chardonnaytraube. Die bereits natürlich gegebenen geringen Erträge, die sehr trockene Luft, die Krankheiten der Reben vorbeugt, sowie die starken Schwankungen zwischen Tages- und Nachttemperaturen sind sehr gute natürliche Vorraussetzungen. Wenn diese durch sorgfältige Pflege der Reben und moderne, qualitätsorientierte Ausbau- methoden unterstützt werden, ist das Ergebniss sehr gut bis hervorragend. Dazu kommt, dass die geringen Bodenpreise und die rationelle Bearbeitung sehr günstige Verkaufspreise ermöglichen. Selbst nach hiesigen Verhältnissen kleine Bodegas sind oft um ein mehrfaches größer als die größten Weingüter in Deutschland. Auch dadurch ist natürlich ein rationelles und trotzdem qualitativ gutes Arbeiten möglich.

Penedés

Anbaufläche: 26.389 Hektar
zugelassene rote Rebsorten: Tempranillo, Cabernet-Sauvignon, Merlot, Carinena
zugelassene weisse Rebsorten: Xarel.lo, Macabeo, Parellada, Chardonnay
plus einige wenige weitere, die jedoch mengenmäßig keine Bedeutung haben

maximal zulässiger Ertrag: ca. 55 Hektoliter/Hektar bei roten und ca. 65 Hektoliter für die weissen Sorten

Südlich von Barcelona gelegen, unterscheidet man in drei Teilbereiche, nämlich dem Bajo Penedés, dem Medio Penedés und dem Alta Penedés. Diese Reihenfolge gilt auch für die Qualität. Das Bajo ist der Küstenstreifen, wo überwiegend einfache Weine wachsen, während Alta Penedés am tiefsten im Land liegt und am bergigsten ist. Hier wachsen die besten Weine.

Das Klima ist gemäßigt mediterran mit warmen Sommern und milden Wintern. Viele vergleichen es mit dem Bordeaux, wobei es hier im Durchschnitt jedoch wärmer und vom Klima auch deutlich gleich- mäßiger ist. Der stark kalkhaltige Boden ist nährstoffarm und bietet dadurch und durch die gute Ent- wässerung hervorragende Voraussetzungen für Qualitäts-Weinbau.

Von dem Penedés ging in den 70er Jahren die spanische Weinrevolution aus, als man hier in größerem Stil anfing, ausländische Reben wie die Cabernet Sauvignon und Merlot anzupflanzen und mit großem Erfolg auszubauen. Die zweifelsohne notwendigen Mittel dafür kamen aus dem Geschäft mit spanischem Sekt, dem Cava. Hier sind alle großen Sektkellereien ansässig, die weite Teile des europäischen Marktes für Sekt und Perlweine beherrschen. Nichts desto trotz ist die Qualität der hier erzeugten Cavas oft sehr hoch. Auch wenn die Art des Cavas sich grundsätzlich vom französischen Champagner deutlich unterscheidet, muss der Cava sich hinter seinem französischen Pendant keinesfalls verstecken.

Während in vielen anderen Regionen die Weine oft eine Cuvée aus mehreren Sorten sind, ist im Penedés eine deutliche Tendenz zu sortenreinen Weinen erkennbar. Insofern ist auch hier diese Region wiederrum diejenige, die sich am Weltmarkt orientiert. Das Penedés pflegt auch eher den internationalen Stil als denn den traditionellen Stil.

Priorat

Anbaufläche: 1.800 Hektar
Zugelassene rote Rebsorten: Garnacha, Carinena, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah
Zugelassene weisse Rebsorten: Garnacha blanca, Pedro Ximénez
Maximal zulässiger Ertrag: ca. 60 Hektoliter / Hektar (wird praktisch niemals auch nur annähernd erreicht!)

Das Priorat, gelegen im Hinterland von Tarragona und seit neuestem Bestandteil der Großregion Katalonien (genau wie Tarragona, Penedés und viele andere) ist die Weinregion, die in den letzten Jahren die größten Schlagzeilen in der iberischen Weinwelt produziert hat. Schon in früheren Jahrhunderten für seine außergewöhnlich alkoholstarken und intensiven Weine bekannt, lag diese kleine Region viele Jahre in Vergessenheit. Der Grund ist recht einfach zu erklären: Sehr steile und unwegsame Rebberge, viele terrassiert und nur äußerst mühsam von Hand zu kultivieren. Dazu ein sehr trockenes, fast arides Klima mit geringen Niederschlägen. Von früheren über 10000 Hektar sind gerade mal 1800 Hektar übrig geblieben.

Aber der Boden, versetzt mit sehr viel dunklem Schieferschutt (dem berühmten "Licorella") und hohem Eisengehalt ist einer der besten überhaupt und trägt zum unnachahmlichen Geschmack der Weine bei. Darüber hinaus speichert der Boden die geringe Feuchtigkeit gut und zwingt die Reben, sehr tief zu wurzeln. Dies wiederum führt zu sehr geringen Erträgen, die teilweise 10 Hektoliter pro Hektar nicht erreichen. Dazu kommen die Höhenlagen von bis zu 1000 Meter. Auch hier der starke Kontrast von Tages- zu Nachttemperatur, der seinen Teil zu dem enormen Qualitätspotenzial beiträgt.

Die Folge ist ein äußerst konzentrierter Most. Die Priorat-Weine sind oft von gewaltiger Dichte und Substanz und erreichen auch bei moderaten Reifestufen 14-15 %Vol. Alkohol. Schwarz wie Tinte und enormer Körper mit intensivster Frucht sind einige der Merkmale dieser beeindruckenden Rotweine. Weißwein wird hier kaum erzeugt, weil die Trauben einfach nicht genug Säure für Weißweine aufweisen.

Diese Weine werden jedoch erst seit sehr kurzer Zeit erzeugt. Als sich vor nun fast zehn Jahren einige junge, wagemutige Winzer zusammentaten und anfingen, im Priorat Wein nach den modernsten Erkenntnissen zu erzeugen, wurden sie von den meisten nicht ernst genommen. Aber unbeirrt glaubte diese kleine Gruppe, zu der auch der führende Erzeuger, Alvaro Palacios gehörte, an das große Potenzial des Gebietes. Der große weltweite Erfolg gab der Gruppe recht und zog eine massive Investitonswelle in das verschlafene Gebiet.

Heute kommen die teuersten und am stärksten gesuchten Weine aus Spanien aus dem Priorat und Kenner sagen der Region eine glanzvolle Zukunft voraus.

Sollten Sie in der Nähe sein, versäumen Sie nicht, dem Priorat einen Besuch abzustatten. Die wilde, majestätische und einsame Landschaft schlägt jeden in seinen Bann. Aber planen Sie viel Zeit ein, denn die Straßen sind extrem schmal und unglaublich kurvig. Das Priorat erfährt man nicht im schnellen Durchfahren!

Tarragona + Subzona Falset

Anbaufläche: 10.467 Hektar
zugelassene rote Rebsorten: Mazuela, Garnacha, Tempranillo, Merlot, Cabernet-Sauvignon
zugelassene weisse Rebsorten: Xarel.lo, Macabeo, Parellada, Garnacha Blanca Chardonnay, Moskatel
maximal zulässiger Ertrag: ca. 85 Hektoliter/Hektar bei roten und ca. 95 Hektoliter für die weissen Sorten

Während Tarragona den meisten vom Durchfahren zu den südlichen Stränden bekannt ist, hat es doch einen guten Klang bei der Erzeugung von sogenannten Solera-Weinen und Meßweinen. Diese Weine treffen heute jedoch nicht mehr den Geschmack des breiten Publikums und man hat sich mit Erfolg der Erzeugung von Tafelwein zugewandt.

Die Region umfasst elf Gemeindebezirke und weist starke Unterschiede in Boden und Klima auf. Während der größte Teil küstennah ist und deutlich mediterran warmes Klima hat, ähneln die weiter landeinwärts gelegenen Regionen wie die Subzona Falset deutlich dem Priorat mit seiner sehr bergigen Topografie. Demzufolge sind auch die erzeugten Weine zum Teil völlig unterschiedlich und eine generelle Aussage ist nicht möglich. Daher sind auch die oben erwähnten Rebsorten nicht in allen Bereichen gleich zulässig.

Das große Potenzial der landeinwärts gelegenen Gebiete, besonders der Subzona Falset, wird erst im Sog des Priorat gerade erst entdeckt und bisher nur von sehr wenigen auch konsequent genutzt. Daher sind in diesem Bereich großartige Weine zu noch sehr günstigen Weinen zu bekommen. Wie im Priorat besteht das Riesenpotenzial der Winzer nicht nur in den geographischen Besonderheiten, sondern auch in zum Teil sehr alten Rebanlagen, die zwar geringe Erträge, aber dafür äußerst konzentrierte Mose er- geben. Es ist verständlich, dass diese sorgfältig gehegten und mit hohem manuellen Aufwand gepflegten Weinberge einen Wein ergeben, der seinen Preis haben muss.


Weinland Frankreich

Im Gegensatz zu seinem südlichen Nachbarn ist Frankreich schon seit langer Zeit Vorbild für alle anderen Weinländer dieser Welt. Die vielfältigen und besonderen geographischen und klimatischen Verhältnisse verbunden mit der Erfahrung von Jahrhunderten in der Weinerzeugung haben zu diesem Status geführt. Trotz vieler Anstrengungen anderer Länder, insbesondere der sogenannten Neuen Welt, ist diese Führungsrolle nach wie vor unangetastet.

Was ist das Geheimniss? Nun, es ist eigentlich ganz einfach. Die wichtigste Vorraussetzung für guten Wein ist das Zusammenspiel zwischen Boden, Klima,und der Rebe. In Frankreich wurde der Begriff "Terroir" geprägt, der viel mehr umfaßt als nur den Boden und das Klima. Dazu zählt eben auch der vorherrschende Wind, Entwässerung, Exposition zu Sonne, Art des Bodens und vieles mehr. Eine bestimmte Rebe benötigt von allem ein bestimmtes Maß. Auf dem Terroir fußt in Frankreich auch die gesamte Philosophie der Weinerzeugung. Im Gegensatz zu vielen Winzern in Übersee ist für einen guten Winzer in Frankreich das Terroir überhaupt erst die Basis, um hohe Qualitäten zu bekommen. Außerdem kennt Frankreich schon seit langer Zeit die Rebsorten, die am besten für ein gegebenes Terroir geeignet sind. Für jede Rebsorte gibt es den optimalen Boden und die optimalen klimatischen Verhältnisse. Dieses Wissen ist in Frankreich seit langem bekannt und findet jetzt erst zunehmend Verbreitung in vielen anderen Überseeländern.

Das französische Weingesetz: Eine kurze Zusammenfassung

Das französische Weingesetz ist Vorbild für viele Länder auf der ganzen Welt geworden. Viele andere Weinbestimmungen lehnen sich mit Abwandlungen an das französische System an. Die einfachste Kategorie ist der

Vin de Table: Eine große Anzahl namenloser und ohne Jahrgang erzeugter Weine, da hier die Bestimmungen bezüglich der Erzeugung und dem Ausbau sehr locker gefaßt sind. Aber auch hier findet man durchaus den einen oder anderen schönen Wein von Winzern, die die Vorschriften als Korsett empfinden und lieber ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen.
Vin de Pays: Ein Gruppe, in der sich viel Dynamik abzeichnet, da auch hier der Handlungsspielraum des Winzers noch recht groß ist, die Bestimmungen aber schon deutlich qualitätsorientierter abgefaßt sind. Viele Rebsorten, auch nicht einheimische, werden bei den Vin de Pays verwendet. Je exakter die Region genannt ist, desto höhere Qualität kann man in der Regel erwarten.
Appellation d'origine vin delimité de qualité supérieure Das "Sprungbrett" in das Oberhaus der französischen Qualitätspyramide. Ein Wein mit dieser Bezeichnung gilt als Anwärter für die Appelation contrôlée. Eine Bezeichnung, die wahrscheinlich bald abgeschafft wird.
Appellation contrôlée Die höchste Stufe und zugleich die strengsten Anforderungen an die Qualität der Weine und hohe Anforderungen bezüglich Ursprungsgebiet, Rebsorten, Rebschnitt, Pflanzdichte, Ertrag, Vinifikation und Ausbau und Alkoholgehalt. AC-Weine müssen sich einer umfassenden Prüfung unterziehen. (Fast) alle Spitzenweine finden sich in dieser Kategorie wieder. Je genauer die geographische Zuordnung ist, desto höherwertiger (und teurer) ist der jeweilige Wein. Die Spitze bilden die kleinen Parzellen im Burgund mit Angabe des jeweiligen Erzeugers und die namentlich genannten Erzeuger im Bordeaux (z.b. Château Latour). Mit Château Grillet gibt es auch eine AC, die nach nur einem einzigen Weingut benannt ist.

So sinnvoll diese Einteilung auch ist, zu Verwirrung bietet auch dieses System immer wieder Anlaß. Im Burgund beispielsweise ist die Kenntniss einer hervorragenden Lage lange noch nicht Garant für einen hervorragenden Wein. Da im Burgund viele Spitzen-Lagen stark zersplittert sind und von vielen Winzern bearbeitet werden, ist erst die Kenntniss eines Spitzenwinzers in Verbindung mit einer entsprechenden Lage ein sicheres Indiz für Spitzenwein. Im Bordeaux hilft es ebenfalls wenig, nur Kenntniss von der AC Bordeaux zu haben, denn hier gibt es über 6000 Weingüter und sehr viele mit höchstens Mittelmaß. Selbst wenn die Gemeinde, z.b. das weltberühmte Paulliac, bekannt ist, bedeutet das immer noch nicht viel. Erst die Kenntniss eines bestimmten Weinguts, z.b. Château Mouton-Rothschild führt zu einem entsprechenden Wein. Umgekehrt braucht man sich nur den Erzeuger zu merken und kann sicher sein, es immer mit einem mindestens sehr guten, meistens aber großen Wein zu tun zu haben. Dies wiederum hat dazu geführt, dass Spitzen-Weingüter überproportional bekannt wurden und die Region eine doch eher untergeordnete Rolle spielt. Insbesondere gilt dies für die sogenannten "neuen" Weinländer, wie Chile, Australien, Neuseeland aber auch durchaus USA, insbesondere Kalifornien. Hier ist das Wissen um den Erzeugernamen um so bedeutender, da hier die Erzeugung von guten Weinen weniger von strengen Weingesetzen als denn von den eigenen Maßstäben der Weingüter abhängt.

Gerade junge Weintrinker, die italienische Weine und die der neuen Welt bevorzugen, empfinden französischen Wein als teuer und etwas angestaubt. Ohne den italienischen Wein in Bausch und Bogen abzuwerten, ist dort doch in vielen modern gestylten Bouteillen höchstens Mittelmaß zu finden und die wirklich guten Weine Italiens sind mit Sicherheit nicht günstiger zu haben. Gerade in Italien sind die Preise auf ein zum Teil unerträgliches Niveau gestiegen während gerade im Süden Frankreichs von vielen unbemerkt schon fast eine Revolution in Gang gekommen ist.

Das sogenannte Midi war lange Zeit, ähnlich wie La Mancha in Spanien, geradezu Synonym für belanglose Massenware. Ein riesiges Gebiet, von der Mündung der Rhone bis zur spanischen Grenze birgt jedoch ein ungeheuer vielfältiges Potenzial. Die Möglichkeiten werden in einer Reihe von Bereichen gerade ausgelotet. Den Anfang machte Ende der siebziger Jahre Aime Guilbert mit seinem Mas de Daumas Gassac dem gerade in den letzten Jahren eine Reihe folgten. Jetzt beginnen auch zunehmend ausländische Investoren massiv, Land dort aufzukaufen, um ihre Vorstellungen zu ver- wirklichen. Man kann nur hoffen, dass in der Euphorie der Neuentdeckung nicht alte Fehler wiederholt werden. Die einzelnen Regionen werden, soweit im Sortiment enthalten, genauer vorgestellt.

AC Rhone

Eine sehr weitgefaßte Appellation mit sehr unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen und differenzierter Ausprägung der Bodentypen. Umfaßt die Region der Rhone von Vienne bis Avignon und beinhaltet eine Vielzahl von Unterregionen. Die Qualität reicht von einfach bis sensationell. Die Preise bleiben fast immer im Rahmen. Man kann durchaus sagen, dass diese Region derzeit eine Art Renaissance erfährt und dies völlig zu Recht, nicht zuletzt wegen der großartigen landschaftlichen Reize und dem angenehmen Klima. Hier sollen die ersten Weinberge in Frankreich schon vor über 2000 Jahren angelegt worden sein. Eine der Unterregionen ist die:

AC Beaume de Venise

Obwohl eigentlich für den süßen Muscat-Beaume-de-Venise sehr bekannt, werden hier in einer traumhaft schönen Landschaft auch sehr gute und hochwertige Rotweine erzeugt die überregional erstaunlicherweise noch weitestgehend unbekannt sind. Es herrschen die Sorten Mouvedre, Grenache und Syrah vor.

AC Gigondas

Stand viele Jahre im Schatten des Châteuneuf-du-Pape. Sehr kraftvoller Rotwein auf Grenache und Syrah - Basis. Gilt heute als einer der besten Weine der südlichen Rhone und dem Châteauneuf-du- Pape mindestens ebenbürtig. Reizvoll gelegen am Fuß der Dentelles de Montmirail. Hier sind 1170 ha mit Reben bestückt. Der Ertrag ist durchweg gering auf den armen Böden.

AC Coteaux du Languedoc

Eine umfassende Bezeichnung mit vielen kleinen Unter-Appellationen. Derzeit wohl das innovativste und das Weinanbaugebiet in Frankreich, in dem die größten Umwälzungen stattfinden. Die Besinnung auf die Vielfalt der Böden und das sehr gut geeignete Weinbauklima führen zu einer stetig steigenden Anzahl von sehr guten Weinen. Aus dieser Region kommen die derzeit besten Weine aus dem "tiefen" Süden Frankreichs mit Schwerpunkt auf Rotwein und es gibt noch manche Entdeckung in der kargen Landschaft zu machen.